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Die wasserwirtschaftliche Notwendigkeit einer Talsperre im Oberlauf der Nidda lag in früheren  gewässerkundlichen Untersuchungen begründet. In den Jahren von 1959 bis 1965 wurden für die Sperrstelle und den Stauraum der erforderlichen Talsperre geologische und bodenmechanische Aufschlussarbeiten mit dem Ergebnis durchgeführt, dass die Untergrundverhältnisse für eine Talsperre zwischen Rainrod und Schotten im vorderen Vogelsberg topographisch sehr günstig für einen Staudamm sind. Das Niederschlagsgebiet an der vorgesehenen Sperrstelle ist mit 34,6 km² groß genug, um der Niddaniederung unterhalb einen wirksamen Hochwasserschutz zu geben. Der Wasserverband NIDDA beauftragte nach der Vorplanung und den Variantenuntersuchungen im Frühjahr 1967 die Elektrizitäts AG – heute unter dem Namen Lahmeyer International GmbH bekannt – mit der baureifen Planung, der örtlichen Bauüberwachung und Bauoberleitung. Im Jahr 1968 erging vom Regierungspräsidium Darmstadt der Planfeststellungsbescheid und damit die Baugenehmigung.Am 07.06.1968 begann mit dem Spatenstich die Umsetzung der Planungen in die Praxis. Vom Spatenstich sei folgender Zeitungsbericht hier wiedergegeben:

„Der Händedruck eines Ministers

 

 

Der Händedruck eines Ministers kann von enormer Wirkung sein, wie Landwirtschaftsminister Dr. Tassilo Tröscher beim sogenannten ersten Spatenstich für die Niddatalsperre bewies. Dieser historische Augenblick läßt in prestograder geschichtlicher Betrachtung zunächst einmal aufschlußreiche Beobachtungen über den Fortschritt der Technik zu. Noch vor zehn Jahren wurde für solchen kommunalpolitisch bedeutenden Spatenstich ein wirklicher Spaten und eventuell ein Schweißtropfen benutzt. Vor sechs Jahren benutzte der fortschrittliche Altenstädter Bürgermeister Rose zu solchem Behufe auf dem Gelände der Mittelpunktschulebereits einen Bagger und heute tuts der hessische Landwirtschaftsminister nicht unter einer geballten Ladung Dynamit. Es war außerordentlich eindrucksvoll. Auf der Anhöhe drückte der Minister den Hebel des Zündschalters herunter und 500 Meter weiter flogen auf der anderen Talseite bei der Schottener Landstraße die Brocken. Das zahlreich versammelte Volk war tief beeindruckt von solcher Wirkung eines ministeriellen Händedrucks. Der Minister selbst übrigens auch – wenigstens beim zweiten Male. Da flogen drüben die Brocken nämlich schon, als er mit dem Drücken noch gar nicht fertig war. Der Minister war sehr stolz auf soviel Ausstrahlungskraft seines Willens und die Wunder derTechnik. Das Wunder bestand aus einem kleinen Kasten im Hosentaschenformat. Fünfhundert Meter Zündleitung waren der Bauleitung offensichtlich zuviel Mühe. Deshalb war bei der Sprengstelle noch ein zweiter Zündschalter aufgestellt worden und hinter dem Minister stand ein Mann mit einem Sprechfunkgerät, um dem echten Sprengmeister zu melden, wann der Minister gezündet hatte. So einfach sind komplizierte technische Vorgänge zu erklären, wenn man genau hinschaut.“Die Schüttung des Erddammes aus Basalt und Basaltzersatz wurde im Herbst 1969 abgeschlossen. Im Oktober 1970 wurde die Niddatalsperre nach Fertigstellung aller notwendigen Betriebseinrichtungen, wie die beiden Vorsperren und Zulaufpegel an Nidda und Läunsbach, der Damm mit der wasserseitigen Asphaltaußendichtung, das Krafthaus, der Kontrollgang durch den Damm mit den beiden Grundablassleitungen, die Hochwasserentlastungsanlage, das Tosbecken, der Ablauf- und Steuerpegel, das Betriebsgebäude und die zugehörigen Gerätehallen sowie das Wohngebäude für den Stauwärter und seine Familie offiziell eingeweiht. Der Bau der Niddatalsperre umgerechnet ca. 9 Mio. €. Beim Bau sind mehr als 320.000 m³ Bodenmaterial bewegt und es ist ein Staudamm von maximal 35 Meter Höhe und 500 Meter Länge erstellt worden. Auf der Seeseite wurde der Damm mit einer Asphaltaußendichtung versehen, die eine Fläche von 15.000 m² einnimmt. Luftseitig ist der Damm begrünt und hat eine Neigung von 1:1,75. Am Fuß des Dammes befindet sich der Auslauf der Nidda aus der Talsperre.

 

 

 

Am 27.10.1970 war die Einweihung der Niddatalsperre. Ein kleiner Junge aus einem Nachbarort durfte bei den Feierlichkeiten das Band durchschneiden. Leider klappte dies nicht auf Anhieb, da die Schere hierfür denkbar ungeeignet war. Daraufhin meinte Ministerpräsident Albert Oswald im hessischen Dialekt: „Sicherlich wird sich die Nachwelt schon bald nicht mehr an meine soeben gehaltene Einweihungsrede erinnern, aber an die stumb Scher’ von dem Bub’ wird man noch lange denken.“ Der Ministerpräsident warnte in seinem Grußwort vor „unbedachten und planlosen Eingriffen in die komplexen Vorgänge des Wasserhaushalts“, da diese sich „störend oder gar zerstörend auf die Umwelt auswirken“ könnten. Die erste Talsperre im Vogelsberg- und Niddagebiet sei daher ein wichtiger Schritt in diese Richtung, gelte es doch, Schäden zu vermeiden und die unterirdischen und oberirdischen Gewässer optimal zu nutzen. Man wolle die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse im Niddagebiet verbessern, die Landschaft beleben und verschönern und eine große Wasserfläche der Bevölkerung zur Erholung und Freizeitgestaltung zur Verfügung stellen.

Auch der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Herr Dr. Tassilo Tröscher, betonte in seiner Festrede zur Einweihung der Talsperre die Ruhe- und Erholungsqualität im an Seeflächen armen Mittel- und Osthessen und hofft auf günstige Auswirkungen auf den Fremdenverkehr im Vogelsberg, jedoch diene die Sperre in erster Linie dem Hochwasserschutz. Daneben solle sie in Trockenzeiten zur  Niedrigwasseranreicherung in der Nidda dienen und so den gesamten Wasserhaushalt des Gebietes  verbessern. An der Talsperre wurde direkt beim Bau auch ein Wohngebäude für den Talsperrenwärter errichtet, damit die Betriebssicherheit der Anlage jederzeit gewährleistet werden kann und zudem auch den Bedenken aus der Bevölkerung Rechnung getragen wird. Sorgen und Ängste waren wohl durchaus vorhanden, wie das Schreiben eines betroffenen Bürgers aus dem Jahre 1971 belegt, in dem auf Katastrophen vergangener Jahre hingewiesen wurde, bei denen Talsperren in Italien, Spanien, Pakistan, sowie die Edertalsperre betroffen waren und „ganze Ortschaften hinweggeschwemmt wurden“. Der Stausee hat bei einem Vollstau ein Speichervolumen von 6,8 Millionen m³ und eine überstaute Fläche von ca. 60 ha. Mit den notwendigen Anlagen zum Betrieb der Talsperre, wie den Betriebsgebäuden, den Vorsperren, dem Krafthaus und dem Wohngebäude des Talsperrenwärters, gehören dem Wasserverband NIDDA im Bereich der Niddatalsperre insgesamt 83 ha an Grund und Boden.

 

Betrachtung zu einem historischen Augenblick